Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. Jean Ziegler

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6. Reise Januar 2018

Mitte Januar sind wir, Ingrid und Bobby, zu unserer sechsten Reise nach Kamerun aufgebrochen.  Bereits bei der Planung haben wir festgestellt, dass wir sehr gemischte Gefühle haben. Einerseits  ist die Vorfreude auf „unsere Kinder“ sehr groß. Andererseits  ist uns mehr als  klar, dass der Neubau seit fast einem Jahr nur sehr schleppend voran kommt  und wir während unseres Aufenthaltes alles erdenklich Mögliche unternehmen müssen um das zu ändern.

In den 3 Monaten vor unserer Reise wurden unendlich viele e-Mails ausgetauscht. Ein neuer Bauplan wurde gezeichnet, es wurden Angebote von unterschiedlichen Bauunternehmern eingeholt und vieles mehr. Wir verabredeten Termine und beginnen schon an unserem ersten Tag in Douala mit unserem Programm um den Bau voran zu bringen.

Es folgen Treffen mit:
Joseph Jabez Thangasamy , Finance Manager Swire Pacific. (Info über den Stand der Dinge) und Ryan Smith, General Manager Swire Pacific. (Klärung der weiteren Finanzierung)

Joseph & Ryan

 

 

 

 

 

 

 

Veronique Hodencq, Patin und gute Seele des Waisenhauses.

Veronique in der Bildmitte

Emmanuel Moulango, Rechtsanwalt und unser „Geschenk“ da er sich um viel mehr als nur um die Verträge kümmert.

Pierre Christ und Sophie Corset von Mercy Ships, die uns in so vielen Belangen unterstützen.

links, Pierre & Sophie

Nestor Natemzem , dem Bauunternehmer.

li. Nestor

Uns ist bewusst, dass wir in der kurzen Zeit vor Ort nur bedingt Erfolge erzielen können. Die Firma Swire Pacific unterstützt das Projekt von Anfang an und ist eine sehr große Hilfe. Im Oktober 2017 beauftragte Ryan Smith  Joseph Jabez Thangasamy, sich um den Neubau des Waisenhauses zu kümmern. Es kam wieder Bewegung in das Projekt. Ebenfalls im Oktober entstand ein ganz großartiger Kontakt zur Hilfsorganisation Mercy Ships (nähere Info unter https://www.mercyships.de/).

Die Africa Mercy ist das größte private Hospitalschiff der Welt. Sie liegt noch bis Ende Mai 2018 in Douala vor Anker. Die Organisation unterstützt mit ihrem know how Hilfsprojekte, wurde auf uns aufmerksam und hat uns kontaktiert. Es sind Pierre Christ, der offizielle Koordinator für Regierungsbelange, Mark Carew der Kapitän und Sophie Corset, PR und Communication Manager, sie helfen uns vor Ort Maßgebliches zu bewegen. So erreichten sie zusammen mit unserem Anwalt Emmanuel Moulango z.B. die Befreiung von der Mehrwertsteuer für den Neubau. Weiterhin entstand durch diese Begegnung ein ganz unglaubliches Netzwerk unterschiedlichster Menschen, die alle ihren Beitrag leisten um das Projekt voran zu bringen und zu vollenden.

Aber zu aller erst werden am Sonntag „unsere“ Kinder besucht. Die Freude ist bei Allen riesig. Die Kinder stürmen auf uns zu, viele kennen wir von den vergangenen Besuchen, einige Gesichter sind neu, wir haben aktuell 6 Babys. Für uns fühlt sich „das nach Hause“ kommen gut an. Wir stellen fest, dass sich mehr oder weniger nichts verändert hat. Ein furchtbar altes und baufälliges Haus, aber strahlende, glückliche und gesunde Kinder.

 


Relativ schnell bemerken wir das Fehlen von Ludovic, der taubstumme Junge mit dem alles begann. Solange, die Leiterin des Waisenhauses erzählt uns, dass das Sozialministerium Ludovic abgeholt hat und sie wissen nicht, wo er jetzt ist. Wir kennen das. Auch in der vergangenen Zeit wurden Babys und ältere Kinder vermittelt. Wir versuchen in Erfahrung zu bringen, wo Ludovic jetzt ist, denn es beunruhigt uns, nichts zu wissen, außer, dass er nicht mehr da ist. Ob uns das gelingt wird die Zukunft zeigen.

 

Nachdem der Rest des Nachmittages damit verbracht wird die mitgebrachten Geschenke auszupacken und zu verteilen, kehren wir am Abend glücklich und zufrieden zurück in die Seemannsmission. Wir genießen den Feierabend, denn morgen Montag geht es richtig los.

In den kommenden Tagen folgen die bereits genannten Treffen und die Besichtigung der Baustelle. Verträge werden geschrieben, geprüft, geändert und schlussendlich unterzeichnet. Wie und wann bezahlt wird, wird abgesprochen. Wir spüren sehr schnell, dass wir die richtigen Leute an Bord haben und sich viel bewegt. Wir sind unserem Ziel, das Bauvorhaben zu Ende zu bringen ein ganzes Stück näher gekommen.

 

Während all dieser Treffen, ergeben sich ganz neue Aspekte. Eine Mauer um das Gebäude kommt ins Gespräch. Sie soll aktuell die Sicherheit der Baumaterialien und später die Sicherheit der Kinder gewährleisten. Desweiteren soll die Mauer davor schützen, dass die Nachbarn „Besitz“ von dem Gelände des Waisenhauses ergreifen. Wie wir auf der Baustelle feststellen mussten hatte bereits ein Nachbar seine Sickergrube auf unserem Gelände ausgehoben. Der Brunnen, den wir ganz am Ende bauen wollten, wird zum Thema. Wasser vor Ort würde die Bauarbeiten erheblich vereinfachen . Allein die Frage nach der Umsetzbarkeit an unseren Anwalt Emmanuel hat genügt, dass er Kontakte zu den entsprechenden Firmen hergestellt hat. Schon nach fünf Tagen haben wir das Gutachten für den Brunnenbau in unseren Händen und – unglaublich – der Brunnen wird noch während unseres Aufenthaltes gebaut. 60m tief musste gebohrt werden. Am Tag vor unserer Abreise können wir unsere Füße am eigenen Brunnen waschen. Welch ein Erlebnis!! Wir sind tief berührt und ergriffen. Die Freude bei uns, Emmanuel, den Bauarbeitern und sogar den neuen Nachbarn ist riesig.

Nur eine Anfrage bei Pit Wild aus Mengen, Geschäftsführer bei Auto-Domicil, nach einem Brunnensponsoring genügte und er erklärte sich sofort bereit den Brunnen komplett zu bezahlen. Für uns bedeutet es, dass es ab sofort einen „Auto-Domicil-Brunnen“ in Kamerun gibt.

 

Wenn alle Pläne eingehalten werden ist der Bau Ende Mai fertig, also noch rechtzeitig vor der Regensaison und noch während die Africa Mercy vor Anker liegt.

Hatten wir noch zu Beginn unseres Aufenthaltes kritisch in die Zukunft geschaut, treten wir die Heimreise sehr zuversichtlich an. Die Gewissheit kompetente und zuverlässige Partner vor Ort zu haben, die mit Begeisterung und Engagement mit uns an einem Strang ziehen, baut uns auf. Dazu die musikalische Performance, die die Kinder vom Waisenhaus für uns zum Abschied vorbereitet haben bestätigt uns und rührt uns zu Tränen. Wir sind glücklich und zufrieden für die gemeinsame Zeit mit diesen dankbaren, gesunden und fröhlichen Kids. Hoffentlich sehen wir alle lieben Menschen Mitte des Jahres zur Eröffnung wieder.

Aber wir freuen uns auch auf das „kühle“ Deutschland, wohl wissend, wie gut es uns geht.

 

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